Maverick Buying ist Beschaffung an definierten Prozessen und Rahmenverträgen vorbei, meist durch Fachbereiche.
Beispiele bei Dienstleistungen. Ein Fachbereich beauftragt einen Freelancer oder eine Beratung direkt per E-Mail oder Telefon. Ein laufender Auftrag wird informell erweitert. Ein Anbieter wird gewählt, ohne dass Angebote verglichen wurden. Ein Bedarf wird so zugeschnitten oder aufgeteilt, dass er unter einer Genehmigungsgrenze bleibt.
Warum es entsteht. Selten aus böser Absicht. Der offizielle Prozess wirkt langsam, Rahmenverträge sind unbekannt oder schwer auffindbar, es gibt keinen passenden Vertrag oder der Bedarf ist dringend. Bei Dienstleistungen kommt hinzu: Es gibt keinen Katalog, aus dem man bestellen kann, und der Bedarf muss erst beschrieben werden. Für Fachbereiche ohne Einkaufserfahrung ist das eine Hürde, die der Anruf beim bekannten Dienstleister umgeht.
Was es kostet. Verhandelte Konditionen kommen nicht zur Wirkung. Ohne Angebotsvergleich bleiben Preis und Leistungsumfang ungeprüft. Der Einkauf sieht die Ausgaben nicht oder zu spät, die Spend-Analyse bleibt lückenhaft. Vertragliche Standards fehlen. Im Nachgang entsteht Aufwand durch Rechnungen ohne Bestellung, nachträgliche Freigaben und Klärung mit dem Fachbereich.
Woran man es erkennt. Rechnungen ohne Bestellbezug, Lieferanten ohne Vertrag oder nicht im Lieferantenstamm, Ausgaben in Warengruppen mit Rahmenvertrag, die außerhalb davon laufen, nachträgliche Bestellungen. Die zentrale Kennzahl ist der Anteil der Ausgaben außerhalb von Prozess und Verträgen. Die Gegenkennzahl ist Spend under Management.
Was wirkt. Verbote und zusätzliche Genehmigungsstufen allein beseitigen die Ursachen nicht. Wirksamer ist es, die Gründe zu entfernen: einfache Bedarfserfassung, kurze Durchlaufzeiten, auffindbare Verträge, sichtbarer Status der Anfrage. Dazu kommen Transparenz über die tatsächlichen Ausgaben und klare Verantwortlichkeiten. Leitprinzip: Der vorgesehene Weg muss der einfachste sein.
Abgrenzung. Maverick Buying beschreibt, wie gekauft wurde: am Prozess vorbei. Off-Contract Spend ist enger und meint Ausgaben außerhalb bestehender Verträge. Tail Spend beschreibt die Größe: viele kleine Ausgaben, die durchaus prozesskonform sein können. Spend under Management ist die Gegenkennzahl.
Begriffe. Maverick Buying und Maverick Spend bezeichnen dasselbe. Im Deutschen werden auch "wilder Einkauf" und "Einkauf am Einkauf vorbei" verwendet, im Englischen auch "rogue buying".
